Kursplanung mit Herz und Verstand
Die Slöpendriewer ist noch keine Weltumseglerin, sondern ein Boot, das treu durchs Leben gleitet. Hier erfährst Du über ihre kommenden Routen, Lieblingshäfen und kleine Abenteuer mit großem Wind. Keine Reiseratgeber, eher Sehnsuchtsnotizen.
Wir lieben die Segeleigenschaften der Slöpendriewer, einem 9,89 langen, 3,18 m breiten und knapp sieben Tonnen schweren Langkieler, und dennoch gibt es bei Hafenmanövern einiges zu beachten, denn wir haben im Gegensatz zu moderneren Yachten kein Bugstrahlruder eingebaut und aufgrund der fehlenden Drehfreudigkeit einen größeren Wendekreis. Für uns gilt es also nicht nur auf den Tiefgang im jeweiligen Hafen zu achten sondern auch mit Bug- und Heckleinen bei Bedarf zu arbeiten. Die Slöpendriewer ist bei wenig Wind etwas träge und die Seefrau liebt es, wenn es ordentlich im Rigg pfeifft.
Nach einem Segeltag liegt bei uns der Fokus auf Naturerlebnisse in ruhigen Häfen und Ankerbuchten, ergänzt durch Ausflüge zu historischen Orten. Nicht zu vergessen bei der Törnplanung ist auch immer die Berücksichtigung des Wetters. Im Mai und Juni haben wir in der Regel mäßige Winde aus westlichen Richtungen, tendenziell stabil mit ersten Sommerhochdruckphasen, aber auch durchsetzt mit Tiefausläufern. Im August und September kann das schon wieder ganz anders aussehen. Wir nutzen verschiedene Wetterapps und verlassen uns nicht nur auf den Barographen an Bord, sondern stecken regelmäßig die Nase in den Wind.
Ideen für einen dreiwöchen Törn ab Lübecker Bucht:
Zeitraum: Mai/ Juni
Zielregion: Dänische Südsee, ggf. Storstrømmen, je nach Wetter ggf. Ausläufer nach Fünen
Slöpendriewer: Langkieler, 9,89 m – solide, aber etwas träger in Manövern und mit größerem Tiefgang als moderne Yachten
Woche 1: Grömitz – Fehmarn – Langeland
- 23.5. (Abends): Ankunft und Proviant in Grömitz
- 24.5.: Grömitz → Orth/Fehmarn (ca. 25 sm) – kleiner Naturhafen, Schilf und Wattvögel
- 25.5.: Orth → Heiligenhafen (kurze Etappe) – historischer Altstadtkern und Seebrücke
- 26.5.: Heiligenhafen → Bagenkop (Langeland, ca. 30 sm) – Naturhafen, gute Ankerbucht, Seeadlergebiet
- 27.5.: Ruhetag/Naturwandern Bagenkop (Langelandsfort – Kalter Krieg Museum)
- 28.5.: Bagenkop → Rudkøbing – charmante Kleinstadt mit alten Häusern
- 29.5.: Rudkøbing → Ankerplatz Strynø → Spaziergänge auf der autofreien Insel
Woche 2: Dänische Südsee – Fünen – Ærø
- 30.5.: Strynø → Svendborg (kurz, ca. 10 sm) – historische Stadt, sehr sehenswert
- 31.5.: Svendborg → Ankerbucht bei Drejø – Natur pur
- 1.6.: Drejø → Ærøskøbing – eine der schönsten Städte Dänemarks, Kopfsteinpflaster & Fachwerk
- 2.6.: Ærøskøbing – Ausflug mit dem Rad auf Ærø
- 3.6.: Ærøskøbing → Lyø – Naturhafen mit reicher Vogelwelt
- 4.6.: Lyø → Faaborg – historisch bedeutende Stadt, kleine Museen
- 5.6.: Faaborg → Søby (Ærø) oder optional Ankern vor Avernakø
Woche 3: Rückreise mit Inselhüpfen
- 6.6.: Søby → Kiel Leuchtturm (Ankerplatz bei Laboe oder Schilksee)
- 7.6.: Schilksee → Wendtorf oder Möltenort – kleine Naturhäfen
- 8.6.: Möltenort → Burgstaaken (Fehmarn) – Fischereihafen, Museum U-11
- 9.6.: Fehmarn → Dahme oder Ankern vor Kellenhusen (je nach Wetter)
- 10.–12.6.: Flexible Puffer: ggf. Rückkehr über Neustadt oder Travemünde
- 13.6.: Rückkehr nach Grömitz
Besonderheiten für Langkieler
Bei Hafenwahl auf ausreichende Wassertiefe achten (v.a. Strynø, Lyø, Avernakø), Drehfreudigkeit bei engen Hafenmanövern beachten und lieber mit Bugleine arbeiten.
Wettertaktik: Bei Westwind eher Richtung Fünen, bei Ostwind auch Bornholm denkbar (aber weitere Seestrecken).
Wetter & Navigationstipps
In dieser Jahreszeit mit 3–5 Bft aus SW bis W rechnen, gelegentlich Böen bei Frontdurchgang. Frühzeitige Wetterfenster für längere Strecken (z. B. Langeland → Fehmarn) nutzen und DMI und Windy für lokale Vorhersagen; aktuelle Wetterwarnungen beachten.
Frühzeitige Revier- und Wetterbeobachtung: Bei Anzeichen eines Frontdurchgangs (Luftdruckfall, Bewölkungszunahme, Drehung auf W/NW) gleich Kurs auf einen Ausweichhafen setzen.
Empfohlene Naturhäfen & Ankerplätze
Drejø Ankerbucht (Westseite): gut geschützt, sehr ruhig
Lyø Havn: kleiner Hafen, landschaftlich reizvoll
Strynø: idyllisch und autofrei
Bagenkop: abseits des Trubels, Zugang zu Naturwanderungen
Plan B parat haben für Wetterkapriolen / Empfehlung für die Praxis
Törnplanung mit Flexibilität: Alle Ankerorte max. 2–3 Stunden von sicherem Hafen entfernt. An Optionen zur Rückkehr bei drohender Front denken.
Backup: Navionics oder NV Charts mit aktivem AIS/Internet für aktuelle Hafen-Infos-
1. Strynø – Ankerbucht Westseite
Ausweichhafen: Marstal (Ærø)
Entfernung: ca. 6 sm
Schutz: Sehr gut bei allen Windrichtungen, auch bei Starkwind aus SW
Besonderheiten: Großer, geschützter Hafen mit Maritim-Museum, Einkaufsmöglichkeiten, gutem Busanschluss
2. Drejø – Ankerbucht (W oder NW)
Ausweichhafen: Drejø Havn oder Svendborg
Drejø Havn (nur bei moderatem Wetter)
Tiefgang beachten: <2 m, bei Langkieler nur bei ruhigem Wetter
Entfernung: 1–2 sm
Svendborg (bei stärkerem Wetter)
Entfernung: ca. 8 sm
Schutz: Hervorragend, komplett geschlossener Stadthafen
Infrastruktur: alles vorhanden (Versorgung, Technik, Bahnanschluss)
3. Lyø – Naturhafen
Ausweichhafen: Faaborg (Fünen)
Entfernung: ca. 10 sm
Schutz: Komplett umschlossener Stadthafen, sicher bei allen Windrichtungen
Besonderheiten: Historische Altstadt, gute Reparaturmöglichkeiten, geschützte Zufahrt
4. Avernakø – Ankern vor Korshavn
Ausweichhafen: Søby (Ærø)
Entfernung: ca. 6–8 sm
Schutz: Sehr guter, ruhiger Hafen mit neuen Stegen
Infrastruktur: Einfach, aber sicher – Slipanlage, Strom, Frischwasser
5. Laboe / Kieler Förde – Ankerplatz Kiel Leuchtturm
Ausweichhafen: Olympiazentrum Schilksee oder Sporthafen Laboe
Entfernung: 2–3 sm
Schutz: Hervorragend – Wellenbrecher, tiefe Boxen
Besonderheiten: DLRG vor Ort, ideal bei aufkommendem Starkwind aus Nord oder West
6. Dahme / Kellenhusen – offene Ankerbucht
Ausweichhafen: Neustadt i.H. oder Grömitz
Neustadt i.H.
Entfernung: ca. 8–10 sm
Sicher bei jeder Wetterlage, großer Stadthafen, gute Versorgung
Grömitz
Entfernung: ca. 6 sm